Vom Geben und Nehmen
Wie alle meiner Texte und Gedanken kann ich mich leider immer nur den unsrigen Kultur-/ Lebensraum beziehen, da ich bisher noch nicht die Möglichkeit hatte Menschen anderer Kulturen kennen zu lernen. Ich bitte dies also beim Lesen all meiner Texte zu berücksichtigen. Speziell bei diesem wird sich wohl ein gewisser Konflikt diesbezüglich aufbauen!
Seit jeher ist uns Menschen quasi in die Wiege gelegt worden, nicht von Geburt an selbstständig zu sein. Seit jeher sind wir auf die Hilfe und Fürsorge fürs Erste unserer Mutter, im Weiteren unserer Mitmenschen angewiesen. Der Mensch entwickelte ein Zusammengehörigkeitsgefühl und fand sich in Gruppen zusammen, in denen jeder Einzelne seiner Aufgabe nachkam. Wurde einer dieser Mitmenschen der Gruppe entrissen musste Abhilfe geschaffen werden, was jedoch vorerst Probleme aufwarf…
In der weiteren Entwicklung des Menschen wurden diese Gruppen größer und schufen sich Regeln, welche auf Erfahrungen vorangegangener Generationen aufbauten. Auch entwickelten sich gewisse Rituale, Normen und Werte die das Zusammenleben erleichterten…
Heute leben wir in einer Gesellschaft, einer riesigen Gruppe, in der die Regeln, Werte, Normen und Gesetze derartig umfangreich und komplex sind, dass keiner mehr alle fassen und verstehen kann.
Dennoch gibt es einige, die uns immer noch stark an das zurückerinnern lassen, wo wir angefangen haben! Kein Mensch wird ohne die Fürsorge und Liebe seiner Eltern zu jemandem heranwachsen, der sich in dieser Gesellschaft zurechtfindet. Ohne die Mitschüler und Lehrer in der Schule, oder auch schon vorher, wird er keine Integrität in der Gesellschaft finden. Er müsste allein stehen, was, wie ich finde, heutzutage nicht mehr möglich ist.
Sicher werden sich einige jetzt sagen, dass es den einen oder anderen in der Schule gab, der eher weniger eingebunden wurde. Doch sage ich, dass dies nicht der Knackpunkt ist! Er lernt trotzdem! Denn er hat Augen, Ohren, Erziehung, … - ausgegrenzt zu sein heißt nicht kein Teil der Gesellschaft zu sein!
Worauf ich aber hinaus will, ist Folgendes…
Jeder, in unseren Gefilden lebender Mensch bekommt durch seine Mitmenschen etwas gegeben. Wir nehmen es uns an oder auch nicht. Wir lernen daraus und ergründen den Sinn, mal bewusst, mal weniger bewusst.
Manche Menschen tun sich aus dieser Masse der Nehmenden und Gebenden hervor. Wir alle sind Teil beider Seiten, doch gibt es Einzelne, die das innere Gleichgewicht einseitig verändern. Manche geben, manche nehmen mehr.
Es gibt viele Gründe warum ein Mensch dies tun würde: ist er sehr Ich-bezogen, wird er mehr nehmen, um sich auf Kosten anderer zu etwas Höheren aufzuwerten. Ist er eher jemand, dem sein Umfeld mehr bedeutet, so wird er versuchen seinen ihm Umgebenden etwas zu geben, um vielleicht letztendlich dadurch selbst zu profitieren. …
Ein Grund, warum ein Mensch mehr geben als nehmen möchte, kann aber auch folgender sein:
Im Laufe seines Lebens hat der Mensch Werte und Normen kennen gelernt, Menschen lieben und schätzen gelernt, eine Gesellschaft aufsteigen und absinken sehen, ist enttäuscht und erfreut worden, hat Entscheidungen getroffen und Chancen verpasst sie zu treffen… Dieser Mensch, ein Kind dieser Gesellschaft, wurde zu dem herangezogen wie das Umfeld ihn geformt hat. Er selbst sieht diese Gesellschaft aus einer Perspektive, welche ihm vermittelt selbst Impulse in einer Art und Weise zu setzen, die es allen, nicht nur die ihn Umgebenden, möglich macht besser zu stehen. Er riskiert es sich selbst aufzugeben, in dem Wissen, dass es ohne sich selbst treu zu bleiben keinen Weg dahin geben würde! Er versucht einen Weg zu gehen, den wenige vor Ihm schon gegangen sind – Aber er weiß um die Geschichte und wird versuchen aus dem Gelernten zu schöpfen. Er weiß um seine Intelligenz und seine Gabe Menschen auf seinen Pfad zu führen. Nur weiß er nicht genau, ob seine Gedanken die wahrlich richtigen sind, das zu erschaffen wovon die Menschheit träumt, ist er doch beschränkt in der Kenntnis um sie…
Diesen Zweifel jedoch, so weiß er, wird er niemals ganz ausräumen können, ist doch jeder Mensch ein anderer!



