Vom Soldat-Sein
Aus Anlass der Abkommandierung an die Universität der Bundeswehr Hamburg verfasste ich folgende Zeilen, um sie am Tag meiner Abreise dem Auditorium - meiner Kompanie - in Form einer mahnenden Ansprache vorzutragen:
Vom „Soldat- Sein“…
Was es bedeutet Soldat zu sein, glaubt wahrscheinlich jeder der hier Anwesenden zu wissen. Wie es geht, wissen wahrscheinlich ebenso viele! Die Fähigkeit es in die Tat umzusetzen ist jedoch nur wenigen vergönnt. Und zwar jenen, die mit Worten wie: Gehorsam, Pflicht, Haltung, Ehrlichkeit und vor allem Respekt nicht nur simple deutsche Vokabeln, sondern Tugenden eines Deutschen Soldaten verbinden, die es tagtäglich gilt, nein nicht unter Beweis zu stellen, sondern zu leben! Was es bedeutet Soldat zu sein ist nicht nur in Uniform und mit einer Waffe in der Hand gegen den doch so bösen Feind vorzugehen, es ist vielmehr das Einstehen für die eigenen Ideale die es gilt zu verteidigen und zu schützen. Für das einzustehen was uns zu dem gemacht hat was wir sind – Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland. Und so wird aus der Grundpflicht des Soldaten laut §7 des Soldatengesetzes: Der Soldat hat die Pflicht, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. eine Selbstverständlichkeit von innen heraus. Die Bundeswehr an sich gibt uns als Soldaten dahingehend lediglich das Handwerkszeug mit auf den Weg, um dafür zu kämpfen was unser Leben in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft lebenswert macht. Dabei lehrt sie uns allerdings nicht nur Grundfertigkeiten im Umgang mit Waffen und Gerät, sondern mindestens in gleicher Weise den Umgang miteinander wie er vor gar nicht all zu langer Zeit, und sogar noch heute, sehr weit verbreitet als: Ehrenhaft bezeichnet wird. Diese Umgangsformen sind teils mehr, teils weniger, aber dennoch alle in ihrer Existenz begründet, wichtige Bestandteile des soldatischen Lebens. Der Mensch, welcher den Wunsch hat als Soldat in der Armee unseres deutschen Staates seinen Wehrdienst, oder auf längere Zeit Dienst zu leisten und seinen Anteil an der Aufrechterhaltung der Freiheitlich- Demokratischen Grundordnung zu geben, ist einzig und allein aus freien Stücken, aus eigener Initiative und innerem Selbstverständnis heraus zu dem Entschluss zu kommen, das dies, Soldat zu werden, der richtige Weg für ihn sei. Die damit einhergehenden Regeln sind ihm dabei eher selbstverständlich als lästig, was damit verbindet dass er diese weder bricht noch missachtet. Doch wurden für gewisse Einzelfälle diese Regeln als so genannte Gesetze oder Dienstvorschriften niedergeschrieben, um es einfacher zu machen. Jedoch kommt es, und ich schließe aus Erfahrungen von 4 ½ Jahren Bundeswehrzeit, in den letzten Jahren vermehrt zu gravierenden Missverständnissen dieser niedergeschriebenen Regeln mit dem Bundeswehralltag. Wie zum Beispiel folgendes: Wie in weiten Teilen der Kompanie verbreitet und fälschlicherweise behauptet, ist ein Befehl keine Diskussionsgrundlage oder ein Rat eines Uniformierten mit etwas anderem auf der Schulter als dem zu Befehligendem, sondern vielmehr:
…eine Anweisung zu einem bestimmten Verhalten, die ein Vorgesetzter einem Untergebenen, schriftlich, mündlich oder in anderer Weise, allgemein oder für den Einzelfall und mit Anspruch auf Gehorsam erteilt. (§2 Nr.2 WStG)
Was sich mit §11 SG glänzend ergänzt, nämlich:
„Der Soldat muss seinen Vorgesetzten gehorchen. Er hat die Befehle nach besten Kräften vollständig, gewissenhaft und unverzüglich auszuführen.“
Nun da ich denke dass jeder Soldat weiß, dass wenn er sich mit Worten dagegen auflehnt, wie es in §20 WStG festgehalten ist, damit zu rechnen hat mit bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe bestraft zu werden, gehe ich davon aus, dass hier nur selten wirkliche Befehle erteilt werden. Im soldatischen Verständnis sind solche Androhungen der Freiheitsstrafe jedoch völlig hinlänglich, da ja jeder Soldat versteht was und warum es von ihm verlangt wird und der Gehorsam, zum Ausführen des Befehles oder Auftrags, vielmehr zum Nebeneffekt wird. Dies zumindest ist der Grundgedanke.
Des Weiteren:
Ein Soldat lügt nicht. Ehrlichkeit bestimmt seinen Dienst.
Ein Soldat wahrt die ihm anvertrauten Geheimnisse und behält Dinge für sich,die andere nichts angehen.
Zitat RegDir Stöhr, 1.Rechtslehrer OSH
Nun gut, ich denke an dieser Stelle sind wir dort angekommen wo man beginnen könnte über die Menschheit an sich zu philosophieren, worin ich jedoch nicht den Inhalt meiner weiteren Ausführungen sehe.
Welche Frage ich jedoch ganz ungeniert in den Raum werfen möchte ist folgende: Glaubt jeder von Ihnen sein Partner ist treu? - - - Was ich damit erreichen wollte ist, dass jeder von uns zwischenmenschliche Beziehungen mit einem hohen Maß an Vertrauen eingeht. Nicht nur privat, sondern auch in besonderem Maße mit den Kameraden in der Bundeswehr insbesondere der Kompanie oder dem Zug. Vertrauen ist die Basis eines jeden Befehls, ist das beruhigende Gefühl in heiklen Situationen Hilfe erwarten zu können oder ist das enorme Gefühl wichtig zu sein, immer dann wenn man für andere da sein muss. Man nennt es auch Kameradschaft. Fühlt man sich in seinem Vertrauen verletzt ist es nur schwerlich wiederherzustellen. Ob als Untergebener oder Vorgesetzter, wird man von einer Person seines Vertrauens enttäuscht, fällt es schwer in einer der beiden gerade genannten Situationen das genannte Gefühl aufkommen zu lassen.
Meine Herren, Vertrauen heißt noch lange nicht blindes Vertrauen, das Hinterfragen, heißt noch lange nicht diskutieren und Pflicht heißt noch lange nicht Selbstverständnis.
Was ich damit sagen will ist, keiner von uns ist perfekt, oder zum Soldaten geboren. Jeder, der sich für seinen Weg in den deutschen Streitkräften entschieden hat soll diesen Weg gehen. Sollte er jedoch Bedenken oder arge Probleme mit bestimmten Regeln haben, geschweige denn das Gefühl haben fehl am Platze zu sein, dann sollte er schnellstmöglich tief in sich gehen und für sich selbst und im Sinne der Bundeswehr der Bundesrepublik Deutschland entscheiden ob dies der richtige Weg für ihn ist und gegebenenfalls abwägen sein Leben andersweitig aufzubauen.
Meine Herren, ich bedanke mich für jegliche Art von Erfahrungen, welche ich im Rahmen meiner Dienstzeit in der 4./131 sammeln konnte, seien es die positiven oder die negativen, gelernt hab ich aus allen!!! Ich bedanke mich bei den Kameraden denen ich das Gefühl gab sie seien mir wichtig und auch bei denen die mir das Gefühl gaben wichtig zu sein. Ich bedanke mich bei den Vorgesetzten, welche Vertrauen in mich hatten und den Untergebenen, denen ich Vertrauen schenkte.
Meinen Herren, auf das „Soldat- Sein“ … Prost



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